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Tiere an Silvester schützen
Kein Katzenjammer
Für viele Haustiere ist Silvester der reinste Katzenjammer. Die Samtpfoten brauchen ein lärmgeschütztes Plätzchen. (Bild: Bernhard Bürkle)
Silvester bedeutet für die Tiere in Stuttgart und seinen Wäldern Stress pur. Sie wissen nicht, was es mit dem plötzlichen Lärm auf sich hat. Tiere in freier Wildbahn rennen dann im Dunkel panisch durch Wiesen und Wälder. Haustiere spielen oft daheim verrückt. Auch die Profis kämpfen jedes Jahr mit der Ausnahmesituation.
Keine Ohrstöpsel für Elefanten
Die Pfleger der Wilhelma beispielsweise. Karin Herczog von der Stuttgarter Wilhelma erklärt die Misere in der sich die Wilhelma befindet: „Wir können die Ohren aller Tiere nicht schützen“, sagt sie, „es gibt eben keine Ohrstöpsel für Elefanten.“
Ruhige Nacht in der Wilhelma
Doch wie alle anderen Tiere der Wilhelma sind auch die Elefanten in der Silvesternacht in sicheren Unterkünften untergebracht. Dadurch fühlen sich die Tiere sicher und lassen sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen. „Das eine oder andere Tier wird sich wohl etwas erschrecken, aber bisher hat sich noch keines unserer Tiere ernstlich verletzt“, sagt Karin Herczog. Und weiter: „Zudem sind die Ballereien um die Wilhelma herum für die meisten Tiere weit genug weg. So geht der Großteil des Lärms an den Tieren unbemerkt vorüber.“
Eine Tierärztin berichtet
Andere Erfahrungen macht die Tierärztin Dr. Birgit Drescher aus Stuttgart-Birkach. In ihrer Praxis hat sie schon etliche Tiere behandelt, denen Silvester nicht so gut bekommen ist. Denn der Lärm von Feuerwerken kann bei Haustieren zu heftigen Reaktionen führen. Daher rät die Ärztin: „Generell sollten Hunde und Katzen an Silvester im Haus bleiben.“
Keine Feuerwerke in der Nähe von Wäldern
Und wenn der Hund mal muss, dann sollte er unbedingt nur angeleint Gassi gehen. Denn jeder Knaller kann ihn so sehr erschrecken, dass er in Panik gerät und fluchtartig das Weite sucht. Feuerwerksraketen und Böller sind aber auch für die Tiere draußen im Wald eine Belastung. Nicht umsonst ist das Abbrennen von Feuerwerken dort strikt verboten. Schnell flüchtet ein aufgeschrecktes Reh aus dem Wald, rennt über eine Straße und kann einen Unfall verursachen. Feuerwerke sollten daher nicht in der Nähe von Wäldern gezündet werden.
GOOD NEWS sprach mit der Stuttgarter Tierärztin Dr. Birgit Drescher darüber, wie sich Tierhalter an Silvester richtig verhalten sollten.
GOOD NEWS: Welche Tiere leiden besonders unter der Knallerei?
Dr. Birgit Drescher: Alle! Nur denken die Menschen nicht daran, dass außer Hunden, Katzen, Kaninchen, kleinen Nagetieren und Vögeln, die im oder am Haus leben, auch die landwirtschaftlichen Nutztiere wie Pferde, Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen sowie die Wildtiere wie Rehe, Füchse, Marder und Hasen alljährlich der Silvesterknallerei ausgesetzt werden.
GOOD NEWS: Welche Schäden kann die Knallerei bei den Tieren verursachen?
Dr. Birgit Drescher: Außer großer Angst oder Panik können die Tiere auch körperliche Schäden erleiden, wie zum Beispiel Kreislaufstörungen, Herzrasen mit Sauerstoffmangel bis hin zur Ohnmacht oder Harn- und Kotabsatz in die Wohnung. Manche Tiere randalieren regelrecht im Käfig, in der Wohnung oder im Stall und können sich dabei selbst Verletzungen zuziehen, springen auf Möbel und fallen davon herunter. Manche Hunde und Katzen trauen sich auch nach zwei bis drei Tagen noch nicht nach draußen, wo ja die Knallerei war.
GOOD NEWS: Wie können Hunde- und Katzenhalter ihre Tiere auf Silvester vorbereiten?
Dr. Birgit Drescher: Ängstliche Hunde und Katzen lassen sich häufig nicht mehr durch Zuspruch und Trost erreichen. Deshalb gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man verreist mit den Tieren an einen ruhigen Ort, wo es kein Silvesterfeuerwerk gibt, oder man verabreicht ein Beruhigungsmittel. Der Vorteil der marktüblichen Beruhigungsmittel liegt darin, dass die Tiere in ruhiger Umgebung in einen oberflächlichen Dämmerschlaf versetzt werden und nur noch wenig von ihrer Umwelt wahrnehmen. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass diese Mittel als Nebenwirkung die Tiere geräuschempfindlicher machen. Hund oder Katze müssen daher in einen Raum gebracht werden, in dem es mucksmäuschenstill ist – kein Radio, kein Fernseher, keine Waschmaschine, kein Telefon, sonst erschrecken sie sich aus anderen Gründen. Am besten ist, Sie erkundigen sich in den Tierarztpraxen schon im Vorfeld und lassen sich beraten.
GOOD NEWS: Hatten Sie in Ihrer Praxis schon Tiere wegen der Silvesterknallerei in Behandlung?
Dr. Birgit Drescher: Im tierärztlichen Notdienst werden häufig Tiere mit den genannten Auffälligkeiten in meiner Praxis vorgestellt. Oder die Tierbesitzer melden sich telefonisch und fragen um Rat. Sobald die Knallerei vorbei ist, normalisiert sich bei den meisten Tieren der Zustand, weshalb nur in Extremfällen noch in den ersten Januartagen ein Tierarzt aufgesucht werden muss.
GOOD NEWS: Was sollten die Tierhalter beachten?
Dr. Birgit Drescher: Man sollte Hunde und Katzen nicht unnötigerweise der Knallerei aussetzen, da von Natur aus ängstliche Tiere mit der Zeit nur noch ängstlicher werden und deshalb auch immer panischer reagieren können. Man sollte Hunde und Katzen an Mitternacht unbedingt Zuhause lassen, wo sie sich am sichersten fühlen und auf keinen Fall zu Silvesterveranstaltungen mitnehmen, schon gar nicht ins Freie.
GOOD NEWS: Wie halten Sie es an Silvester mit Ihren eigenen Hunden?
Dr. Birgit Drescher: Die Hunde bleiben Zuhause. Dort fühlen sie sich wohl und zeigen auch keine Ängstlichkeit. In früheren Jahren hatten wir einen Dalmatiner, der schon am Silvesternachmittag vor Angst hechelte bis sich seine Zunge blau verfärbte. Er verkroch sich immer bis in die letzte Ecke des Untergeschosses. In diesem Fall haben wir ihn mit Beruhigungsmittel nach dem großen Mittagsspaziergang versorgt und ihn in einen geräuschfreien Raum gebracht, wo er bis zum nächsten Morgen durchschlafen konnte.
GOOD NEWS: Vielen Dank für das Interview und Ihre Ratschläge. (Abra)
31.12.2010
(Ausgabe 31. Dezember 2010)