Stuttgart-Info
Stuttgarter Brunnen
Alles fließt
„Es ist sonst die
Stadt Stuetgardt
mit guetem, kielem, frischem und gesundem Bronnenwasser reichlich gesegnet.“ Als Oswald Gabelkover 1624 die Wasserqualität und die Brunnenzahl verzeichnete, war an ein Leben ohne Brunnen nicht zu denken. Jeder Liter Wasser für Haus und Hof musste an den Brunnen geholt werden. Dort wurde Wäsche gewaschen und wurden Tiere getränkt.
Durch Wasserleitungen abgelöst
Wasserleitungen gab es in Stuttgart erst ab dem Ende des 19. Jahrhunderts und jeder Haushalt bemühte sich, möglichst schnell einen eigenen Wasseranschluss zu bekommen. Notwendig sind Brunnen heute nicht mehr.
Auch heute noch beliebt
Trotzdem sind im Stuttgarter Stadtgebiet immer noch über 250 Brunnen zu entdecken: Tropfendes, fließendes, sprudelndes und sprühendes Wasser hat eine besondere Faszination. Mit erfrischendem Sprühregen warten vor allem die modernen Wasserspiele auf, wie etwa die „Pusteblume“ in der Königsstraße. Hier zerstäuben 75 Röhren und Düsen Wasser kunstvoll zu einer Halbkugel.
Der Museumsplatz-Brunnen
Eher sanfter sprudeln die Fontänen am Museumsplatz-Brunnen, im geneigten Brunnenbecken fließt das Wasser in flachen Kaskaden nach unten. Seinen großen Auftritt hat er jedoch in der Nacht – dann verleiht das blau beleuchtete Becken dem Platz zwischen dem Haus der Geschichte und der Staatsgalerie Großstadt-Atmosphäre.
Die Springbrunnen auf dem Schlossplatz
Mit Wasserspiel erfreuen auch die Springbrunnen auf dem Schlossplatz – hier jedoch wird die Symbolkraft des Wassers zusätzlich mit figürlichen Darstellungen verknüpft. Die Brunnen bringen die Flüsse in die Stadt: Donau, Nagold, Tauber und Jagst, Neckar, Kocher, Fils und Enz – die wichtigsten Flüsse des Königreichs Württemberg sitzen als kindliche Engel verkörpert unter den großen Schalen.
Der Galatea-Brunnen
Mythologische Figuren und kaskadenartig herabstürzendes Wasser bietet die prachtvollste Brunnenanlage der Stadt. Der Galatea-Brunnen und die Wasserstaffel am Eugensplatz verbreiten seit ihrer Sanierung 2007 – unterstützt durch die Stiftung Stuttgarter Brünnele – wieder ein wenig italienisches Lebensgefühl.
Lange Umstritten
Bei ihrer Aufstellung 1890 war die Figur der schönen Meernymphe Galatea nicht unumstritten. Die üppige Figur stieß einigen sittenstrengen Stuttgartern auf. Sie gefiel allerdings Königin Olga so sehr, dass sie den Stuttgartern drohte, die Skulptur umzudrehen – so dass die nackte Kehrseite zur Stadt zeigte.
Der Schicksalsbrunnen
Fast versteckt unter einer Baumgruppe am Staatstheater, aber dadurch in seinem Effekt noch verstärkt, liegt der Schicksalsbrunnen – einer der anrührendsten Brunnen der Stadt. Der Stuttgarter Bildhauer Karl Donndorf schuf mit der dreiteiligen Anlage ein Dokument des schönsten Jugendstils. Rechts und links stellen zwei Paare Freude und Leid dar, während in der Mitte die Schicksalsgöttin unbewegt auf ihrem Podest sitzt.
Schlechtes Omen
Als Fingerzeichen des Schicksals wurde die Aufstellung der Anlage kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges von einigen Stuttgartern gedeutet. Das lag auch an dem dunklen Sinnspruch, der dort eingemeißelt ist: „Aus des Schicksals dunkler Quelle rinnt das wechselvolle Los. Heute stehst du fest und groß, morgen wankst du auf der Welle.“
Der Hans-im-Glück-Brunnen
Einen stärkeren Kontrast, als den Hans-im-Glück-Brunnen kann man sich dazu kaum denken: Handfest steht der schwäbische Hans – ein Bauernbub von den Fildern – im Zentrum des Brunnens. Wasser speien hier das goldene Schweinchen und die Gänse. In Medaillons werden die Episoden des Märchens geschildert.
Vermittelt eine Ahnung vom alten Stadtbild
Der volksnahe Brunnen auf dem Geißplatz, der unter anderem vom „Verein für das Wohl der arbeitenden Klasse“ als Abschluss der Altstadterneuerung 1909 aufgestellt wurde, vermittelt heute noch eine Ahnung vom alten Stadtbild.
Kostbares Mineralwasser
In Stuttgart – vor allem in den Stadtteilen Berg und Bad Cannstatt – sprudeln täglich bis zu 22 Millionen Liter Mineralwasser aus 19 Brunnen. 12 davon sind staatlich anerkannte Heilquellen.
„Hält jung und macht schön“
Das Geheimnis des Cannstatter Mineralwassers kennt auch der ältere Herr, der seine mitgebrachten Plastikflaschen am Polizeibrunnen füllt: „Hält jung und macht schön. Gibt nix bessers – außer oinem Viertele.“ Seit der Römerzeit wird in diesem Wasser gebadet, das Cannstatt später eine glänzende Zeit als mondäner Kurort verschaffte.
Der Erbsenbrunnen
Der Erbsenbrunnen auf der Marktstraße birgt zwei Geheimnisse: Zum einen eignet sich sein Wasser hervorragend zur Zubereitung von Hülsenfrüchten – nicht nur für Erbsen, sondern auch für die schwäbischen Linsen – und zum anderen ist hier ein deutscher Bundespräsident nackt zu sehen. Der kleine Richard von Weizsäcker diente seinem Onkel, dem Bildhauer Fritz von Graevenitz, als Modell für das „Erbsenbüble“.
Verheißungsvolle Namen
Aquamobil, Froschbeißer, Kaffeewasserbrunnen, Berger Sprudler, Triton- und Tierschutzbrunnen – die Namen klingen verheißungsvoll. Wer genauer hinsieht, kann in Stuttgart an fast jeder Ecke eine Brunnen-Entdeckung machen.
(AS)