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Der gewaltige und massive Eindruck täuscht: „Sieben schwarze Schranken“ von Reiner Ruthenbeck ist aus Aluminium gefertigt und schwingt im Wind.
Kunst in Stuttgart
Achtung: Kunst!
„Sieben schwarze Schranken“ von Reiner Ruthenbeck eröffnet den Spaziergängern im Schlosspark den asphaltierten Fußweg zwischen der U-Bahn-Haltestelle Mineralbäder und der Innenstadt. Denn bei der Plastik handelt es sich tatsächlich um sieben geöffnete schwarze Schranken, die sich in den Himmel wölben. Sehr schnell fällt auf, dass es sich bei den Schranken vielmehr um statische Objekte handelt, die von ihrer Grundfunktion entfremdet wurden – weder können sie geschlossen werden, noch gibt es auf der anderen Seite des Weges Auflieger, in welche sie einrasten könnten.
Verwirrende Plastik
Insofern scheint die Plastik, die 1977 anlässlich der Bundesgartenschau auf ihrem heutigen Platz aufgestellt wurde, in Kombination mit ihrer Funktion zunächst verwirrend. Warum wurden ausgerechnet sieben Schranken verwendet, wenn doch eine einzelne allein schon ihren Zweck erfüllen würde? Und warum befinden sie sich ausgerechnet in Stuttgarts populärsten öffentlichen Park, der doch eigentlich jedermann zugänglich sein sollte?
Objektkünstler Ruthebeck
Ruthenbeck selbst äußert sich zu der Interpretation seiner Werke folgendermaßen: „Die Leute stehen vor meinen Werken, und wenn sie richtig sehen, ist darüber gar nicht mehr viel zu reden. Es gibt Objekte von mir, da ist praktisch nichts zu sehen. Dass man von etwas berührt werden kann, das fast gar nicht da ist, interessiert mich sehr.“
Optische Täuschung
Dem 1937 in Velbert geborenen Künstler geht es um die unmittelbare Wirkung seiner Werke, die mitunter durchaus verwirren dürfen. Die sieben dunklen, halbgeöffneten Schranken wirken, als seien sie auf halbem Weg einfach stehen geblieben. Obwohl sie per Vorhängeschloss in ihrer Schräglage fixiert sind und auch von weitem recht stabil und stark erscheinen, wandelt sich dieser Eindruck, je mehr man sich ihnen nähert. Denn es ist keinesfalls gewaltige Stärke und Starre, die diese Plastik auszeichnet. Ein kräftiger Windstoß lässt die Schranken in der Höhe zu schwingen beginnen. Unterstützt wird der Eindruck durch das Material: „Sieben schwarze Schranken“ besteht aus Aluminium, einem Leichtmetall, das nur optisch schwer erscheint – es aber nicht ist.
Gegensätze im Einklang
Ruthebeck ist gelernter Fotograf, studierte von 1962 bis 1968 an der Kunstakademie in Düsseldorf bei Joseph Beuys und war von 1980 bis 2000 Professor an der Kunstakademie in Münster. Er selbst nennt sich einen „Objektkünstler“ und lebt und arbeitet heute in Düsseldorf. In „Sieben schwarze Schranken“ verbindet er Schwerkraft und Leichtigkeit, Härte und Weichheit. Eine Schranke, die normalerweise eine Grenzmarkierung und ein klares „Stopp“ darstellt und sich durch den klaren Farbkontrast Weiß und Rot auszeichnet, erhält plötzlich ein unauffälliges Schwarz und fungiert nur noch als Eintrittsbefugnis.
Kunst im Osten
Um Hans Dieter Bohnets „Dreiklang“ bestaunen zu können, muss der Stuttgarter Kunstfreund im Osten der Stadt zunächst ein wenig auf die Suche gehen. Erst nachdem er einen schmalen Treppenaufstieg an der Hackstraße beschritten hat (der wohl bemerkt eigentlich nur im Notfall benutzt werden darf), gelangt er auf den hinteren Pausenhof einer Schule – und kann den „Dreiklang“ in seinem ganzen Stolz betrachten. Knapp zwei Meter misst die Skulptur aus Aluminiumguss, die im Jahr 1959 entstand. Auf einem Marmorplattenfeld streckt sich diese aus drei fast identischen Teilen bestehende Plastik dem Himmel entgegen.
Harmonie
Einzeln sind die drei verformten Säulen mit dem Boden verbunden. Dennoch sticht der Zusammenhang der einzelnen Teile sofort ins Auge: Die Säulen scheinen einander die Hand zu reichen und miteinander zu verschmelzen. Überhaupt ist die Plastik von förmlicher Harmonie geprägt. Organische Abrundungen erinnern sowohl an menschliche, tierische aber auch pflanzenähnliche Formen, was sich auch in der Oberfläche widerspiegelt. Genau wie die (un)perfekte Natur ist sie zum Einen matt und weich, weist an manchen Stellen aber durchaus raue Furchen und Einkerbungen auf.
„Dreiklang“
Die Harmonie der Skulptur spiegelt sich auch im Titel wieder: Dreiklang bedeutet in der Musiklehre die Grundlage der harmonischen Struktur von Musik, in der drei unterschiedlichen Töne in einer wichtigen Beziehung zueinander stehen. Der Dreiklang in der Musiklehre ist das einfachste, aber auch wesentlichstes Element der Harmonielehre. Bohnet übersetzt genau diese Ausdrucksform der Musik in seine Bildhauerei.
Hans Dieter Bohnet
Hans Dieter Bohnet (1926-2006) studierte ab 1945 Architektur an der Technischen Hochschule Stuttgart. 1946 wechselte er zur Bildhauerei, besuchte bis 1950 die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und lebte seither als freischaffender Künstler in Stuttgart. Bohnets frühe Werke wie der „Dreiklang“ sind geprägt durch runde oder kubische, glatte und auf das Wesentliche beschränkte Formen. Ende der 1960er Jahre wurden seine Arbeiten immer abstrakter, er beschäftigte sich mehr und mehr mit Formen wie Kugel und Kubus. Bis zu seinem Tod im Oktober 2006 konnte er in Stuttgart viele Werke im öffentlichen Raum realisieren, darunter auch einige Brunnen. So stehen heute zehn Kunstwerke aus über 60 Jahren seines Schaffens in Stuttgart. (VAN)
02.03.2013
(Ausgabe 2. März 2013)