Superhero im JES

Sterblich, unsterblich

Jeder Held hat einen Feind und eine schwache Stelle. Miracleman ist ein echter Superheld, sein Erzfeind, der hinterlistige Arzt Dr. Gummifinger unterstützt von einer schmollmundigen Gehilfin, will ihn vernichten. Sein wunder Punkt ist seine Unsterblichkeit, die ihn von einem glücklichen Leben an der Seite von Rachel trennt. Miracleman ist eine Comicfigur und sein Schöpfer, der 14-jährige Donald Delpy, ist auch ein Held mit einem Todfeind und einer Schwachstelle: Er hat Leukämie und fürchtet, sterben zu müssen, ohne je Sex gehabt zu haben.

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Alexander Redwitz und Friederike Pöschel
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Alexander Redwitz mit seinen Kollegen Florian Stiehler und Friederike Pöschel.

Schnell erwachsen werden

Gleichzeitig ist Donald ein ganz normaler, einsamer Teenager, der am liebsten mit seinen Kumpeln rumhängen würde, bei Mädchen nicht die richtigen Worte findet und seine Fantasien in einem Skizzenbuch auslebt. Doch seine Krankheit lässt ihm weder den Raum, die Kraft noch die Zeit, an den Erfahrungen der Pubertät zu wachsen und seine Schwierigkeiten zu überwinden. Was ihm bleibt ist ein Leben in schnellem Vorlauf und eine Welt voller pubertierender Fantasien und Träume. Während seine Krankheit fortschreitet, soll ihm sein Therapeut Arthur King Lebensmut herbei reden. So verhilft er Donald zu einer einmaligen Gelegenheit, die der Junge nutzt – allerdings auf seine ganz eigene Art. Der neuseeländische Autor Anthony McCarten, dessen gleichnamiger Roman dem Stück zugrunde liegt, sagt über seinen Romanhelden: „Dieser Junge wird sehr schnell erwachsen, er lebt sein Leben mit einer großen Dringlichkeit“.

Gut gegen Böse

Und diese Dringlichkeit ist auf der Bühne des JES immer präsent. Blitzschnell wechseln die Schauspieler die Rollen. Aus der verzweifelten Mama Renata wird in der nächsten Szene die turnschuhtragende Shelly. Beim Umziehen, beim Szenenwechsel, beim Zeichnen des Bühnenhintergrunds – immer müssen ein paar Handgriffe reichen, das Tempo des Stückes lässt keine Atempausen. „Kreisch, krächz, stöhn – jetzt bist du dran Miracleman!“ – neben ihren Rollen auf der Bühne, sind die Schauspieler auch die Sprecher des Comics „Miracleman“ dessen Geschichte zwischen den Szenen erzählt wird. Für die JES-Inszenierung hat der Stuttgarter Comic-Zeichner und Illustrator Martin Frei die im Roman beschriebenen Abenteuer von Miracleman zu einem Comic verarbeitet. Freigreift bei seinen Zeichnungen auf die Welt der amerikanischen Superhelden, wie Superman oder Batman zurück. Krankheit, Tod, Liebe, Traum – die Themen sind zeitlos und mit der Geschichte von Donald, in der die Realität und die fiktive archetypische ewige Geschichte von Gut und Böse kontrastreich nebeneinander stehen – muten die Theaterleute ihrem jungen Publikum einiges zu. Aber für die wesentlichen Dinge, ist man wohl nie zu jung. (AS)

Spieltermine im März: 18.03., 19.03. und 21.03.
19.02.2011
(Ausgabe 19. Februar 2011)