Der perfekte Hut für jeden Kopf

Wandelbare Wunsch-Hüte

Am Anfang waren ein Mann und sein Wunsch nach einem Hut. Passen sollte er, hochwertig sein und einzigartig, vielleicht ein bisschen stylisch und mit etwas Farbe. Leider gestaltete sich die Suche schwieriger als gedacht – oder vielleicht auch glücklicherweise. Denn hätte Benjamin Kieninger seinen Wunsch-Hut im Laden oder im Internet gefunden, wäre Stuttgart um eine schöne Erfolgsgeschichte, ein junges vielversprechendes Label und eine ganze Menge hübscher Hüte ärmer.
Eine Hut-Mission
Er fand ihn also glücklicherweise nicht – zumindest nicht auf Anhieb. Und so beschloss Kieninger sich nach Hut-Manufakturen umzusehen, die ihn und andere mit ansehnlichen Kopfbedeckungen ausstatten sollten. Durch den gesamten süddeutschen Raum führte ihn seine Mission und ein Stück hinauf nach Hessen. Letztendlich war es eine traditionelle, 150 Jahre alte Hut-Manufaktur in Augsburg, die ihn überzeugte. „Dort habe ich mich mit den Leuten am besten verstanden“, erinnert sich der Stuttgarter. Pragmatisch – und sympathisch.
Zwei Modelle für das Hut-Glück

Die kleine Augsburger Manufaktur liefert die Grundmodelle „Trilby“ und „Pork Piep“ für sein Label Pachanga. „Die beiden Modelle gab es noch nicht exakt so, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Ich habe die Form vor Ort mit den Hutmachern in der Manufaktur so abgestimmt, wie ich sie im Kopf hatte“, so Kieninger. Ausgehend von diesen beiden Modellen können designverliebte Individualisten ihren ganz persönlichen Lieblingshut zusammenstellen – modisch und mit zum Teil dezenten, zum Teil grellen farbigen Akzenten. Das ganze funktioniert per Onlinekonfigurator, der seit Anfang Dezember 2012 aktiv ist. Mehr als 50.000 unterschiedliche Hutdesigns sind konfigurierbar und realisierbar.
Schritt für Schritt zum eigenen Hut
Wem das noch nicht genug ist oder wer sich ein anderes Grundmodell wünscht, kann auf der Seite direkten Kontakt mit Benjamin Kieninger aufnehmen. Er kümmert sich dann mit den Augsburger Hutmachern darum, dass wirklich jeder seinen Wunsch-Hut bekommen kann. Nach der Auswahl eines Grundmodells, geht es ans Einfärben und die Materialwahl: Acht Farben stehen zur Wahl sowie zwei unterschiedlichen Materialien – Haarfilz und Wollfilz. „Beide Materialien sind sehr wetterbeständig und hochwertig“, weiß der Jungunternehmer. „Wenn man sich auf einen trockenen Hut setzt, begibt er sich wieder zurück in seine alte Form.“ Aber besser nicht probieren, wenn er nass ist. „Dann ist er leider hinüber“, weiß Kieninger und fügt hinzu: „Die Materialien stammen alle aus Europa und werden nicht mit bedenklichen Chemikalien behandelt sondern nur mit natürlichen Stoffen.“
Persönlich und nachhaltig zugleich
Individueller Style und nachhaltige und regionale Produktion gehen bei Pachanga also Hand in Hand. Umso mehr Freude macht es, nachdem die Hutform gewählt ist, farbige Experimente mit dem Rispenband und dem Rispenbandverschluss zu wagen und sich zu guter letzt gepunktete oder bunte Federn an den noch digitalen Hut zu stecken.
Der Name ist Programm
Und Freude darf bei Pachanga unbedingt sein, das junge Label  trägt sie sogar im Namen. Pachanga stand auf einem Designbuch, das Benjamin Kieninger vor längerer Zeit geschenkt bekam. Der Klang des Wortes gefiel ihm sofort und nachdem er die Bedeutung recherchiert hatte umso mehr. Pachanga ist ein lateinamerikanischer Tanz, der sich in den 1960er Jahren entwickelte und Lebensfreude, Rhythmus und Freiheit symbolisiert – für all das sollen auch die Hüte stehen. „Die Eule mit Hut habe ich als Labeltier gewählt, weil ich selbst gern im Dunkeln aktiv bin und das Nachtleben liebe. Ich habe sie von Hand skizziert, ein Freund hat sie digital ausgearbeitet“, berichtet der Pachanga-Gründer schmunzelnd.
Tatkräftige Unterstützung
Benjamin Kieningers hegt seine Vorliebe für Hüte schon knapp zwei Jahre und trägt so selbstverständlich selbst meist eines seiner Stücke. Etwa ein Jahr dauerte es von der Unternehmens-Idee bis zum fertigen Konfigurator. Von der kleinen Label-Eule über die Werbebilder bis hin zur technischen Umsetzung des Konfigurators organisierte Benjamin Kieninger das Projekt in Eigenregie. Tatkräftige Unterstützung bekam und bekommt er von seiner Partnerin, von Freunden und Bekannten. „Die Rispenbänder macht eine Freundin hier in Stuttgart, den Versand übernehme ich selbst“, erklärt er.
Ein Hut, der Gutes tut

So viel Elan und Herzblut müssen belohnt werden – und werden es. Die Resonanzen bei der Vorstellung des Konfigurators im Club Kowalski und bei der Designmesse Dekumo am ersten Dezemberwochenende 2012 waren durchweg positiv. Alte und junge Besucher und auch Betreiber von Modeshops waren begeistert von den wandlungsfähigen Hüten. Die ersten Bestellungen sind schon eingegangen. Davon profitieren allerdings nicht nur die Hutträger und die Hutmacher sondern auch das Naturschutzprojekt „Plant for the planet“. Für jeden verkauften Hut wird im Rahmen der Initiative ein Baum im malaysischen Regenwald gepflanzt.  Pachanga – Hut ab, und viel Erfolg mit den weiteren Ideen! Die zaubert Benjamin Kieninger schon jetzt aus dem Hut und dem Konfigurator: Eine ipod-Halterung im Hut schwebt ihm vor und auch ein Zylinder soll als Grundmodell in den Konfigurator aufgenommen werden. (MM)

09.01.2013
(Ausgabe 5. Januar 2013)